Wissenschaftliche Begleitung von IPSAS-Projekten

Recursivity in standard-setting processes: The measurement case of „fair value“ versus „market value“

Annemarie Conrath-Hargreaves, Jens Heiling und Sonja Wüstemann

Little is still known about how conceptual underpinnings of standards developed at the global level might impact on the potential enactment of these standards at the local level and vice-versa. Inspired by a normative approach to standard-setting, this paper draws on the socio-legal framework of recursivity to explore the role of the measurement objective in standard-setting processes of the International Public Sector Accounting Standards Board (IPSASB). The paper aims to contribute to the scarce empirical literature on standard-setting processes in public sector accounting by drawing on the measurement issue of ‘fair value’ versus ‘market value’. The analysis highlights that uncertainty as to the meaning terms carry can lead to confusion at both the global and the local level, in particular when the identification of measurement bases does not follow from the measurement objective. This is of practical relevance as it points to the importance of consistency in standard-setting to avoid conceptual mismatches between the global and the local, which may damage the global’s legitimacy.

Standard Setting in the Public Sector:
An Examination of the IPSASB Conceptual Framework and the Objectives of Public Sector Financial Reporting

Annemarie Conrath-Hargreaves und Sonja Wüstemann

Im Jahr 2014 hat das International Public Sector Accounting Standards Board (IPSASB) sein erstes speziell für die Bedürfnisse der transnationalen öffentlichen Rechnungslegung zugeschnittenes Rahmenkonzept veröffentlicht. Auch wenn das IPSAS grundsätzlich die Konvergenz mit den International Financial Reporting Standards (IFRS) anstrebt, weicht es unter anderem hinsichtlich der Zwecke vom IFRS-Rahmenkonzept ab, indem es Rechenschaftslegung (accountability) und Entscheidungsnützlichkeit (decision-usefulness) als gleichwertige übergeordnete Zielsetzungen der öffentlichen Rechnungslegung definiert. Unsere qualitativ-empirische Forschungsstudie untersucht, warum sich das IPSASB für die Entwicklung eines spezifischen (von den IFRS abweichenden) Rahmenkonzepts entschieden hat sowie auch den Prozess, der zu einer Aufnahme beider Zwecke geführt hat. Anhand der Analyse der Organisation der privaten transnationalen Standardsetzung für den öffentlichen Sektor und die Involvierung unterschiedlicher Akteure in diesem Prozess demonstriert unsere Studie das Streben des IASB nach gleichzeitig technischer und politischer Legitimität. Darüber hinaus wird gezeigt, dass das IPSASB in seinem Standardsetzungsverfahren in erheblichem Maße auf Individuen mit auf Erfahrung basierendem Fachwissen (experiential expertise) setzt und mit den öffentlichen Konsultationen im Wesentlichen (und lediglich) die Verifizierung der internen Überlegungen und Entscheidungen bezweckt wird. Es wird kritisiert, dass durch die starke Gewichtung des Fachwissens und der damit einhergehenden Überbetonung der technischen Legitimität die (überwiegend nicht fachkundigen) Bürger, die eigentlichen Hauptadressaten von IPSAS-Abschlüssen, zu Lasten der politischen Legitimität vom Standardsetzungsverfahren faktisch ausgeschlossen werden.